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Toile de Jouy - Eine Renaissance der Stoffe

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Französisches Lebensgefühl im Interiorbereich verbinde ich persönlich immer mit dem klassischen französischen Toile de Jouy ( Aussprache Toal de Schui). Übersetzt heißt dies Stoff/ Tuch aus Jouy  und stammt aus dem kleinen Örtchen Jouy en Josas in der Nähe von Paris.

 

Charakteristisch für diesen Stoff ist der ehemalige Druck  auf Kattun mittels gravierter Kupferplatten.

Das Design des Toile de Jouy war ursprünglich zweifarbig. Blauer oder roter Druck auf weißem Stoff, wobei blau das Typischste war.

Was heute romantisch anmutet, war früher klassischer Alltag. Pastorale Szenen in Form von Auszügen des Bauernlebens in Frankreich, oft in Verbindung mit einem Schäfer, chinoise Szenen, die auf das klassische Porzellan Chinas zurückgreifen, und auch Szenen aus der Kunst, der Natur oder Fabelwesen zierten die feinen und weichen Baumwollstoffe . Diese Szenen wurden mit Ranken und Blütenarrangements verbunden.

Stoffträume aus fernen Welten

Im 17. Jahrhundert hatte die Schifffahrt Hochkonjunktur, was dazu führte, dass allerlei neues aus Asien und der neuen Welt nach Europa kam. Portugiesische Seefahrer brachten im Zuge dessen bunt bedruckten Baumwollstoff aus Indien mit.

 

Les Indiennes

Diese Stoffe waren so farbenprächtig wie sonst nur übliche Seidenstoffe. Da bisher die Seidenstoffe in der Regel dem allgemeinen Volk nicht zugänglich waren, da zu teuer, wuchs die Beliebtheit dieses eleganten und angenehm zu tragenden Baumwollstoffes. Außerdem kam hinzu, dass die Baumwolle wesentlich leichter zu reinigen war. Er diente als Bekleidung, Polster und Dekostoff nun auch in den gut bürgerlichen Haushalten.

 

Protektion der französischen Textilindustrie

Dies gefiel  dem damaligen König Ludwig XVI. so gar nicht. Er verbot den Import und die Herstellung von Baumwollstoffen, um den Seidenstoffmarkt in Europa, explizit in Frankreich, zu schützen. Infolgedessen war Frankreich vom blühenden Handel mit Baumwollstoffen abgeschnitten. Das Volk wurde unruhig, denn das Verbot hielt bis ins Jahr 1759 an.

 

Christophe- Phillipe Oberkampf

 

Nach Aufhebung des Verbotes wurde der französische Markt von ausländischen Baumwollherstellern geradezu überschwemmt, denn der Nachwuchs an Fachkräften aus Frankreich fehlte.

Der bekannteste von ihnen war der deutschstämmige  Christophe-Phillipe Oberkampf. 1758 kam der damals zwanzigjährige mit seinem Bruder nach Paris. Schon als 11- jähriger absolvierte er in einer Kattunfabrik im Elsass eine Lehre. Sein Vater unterhielt eine Indienne Fabrik in der Schweiz und auch ein Großteil der Familie war in dieser Branche tätig. Somit bekam er die Stoffherstellung in die Wiege gelegt .

Positiv für seinen beruflichen Erfolg wirkte sich auch seine Lehre bei Graveuren in der Pariser Zeit aus. Der Weg zur erfolgreichsten Toile-Manufaktur in Jouy war geebnet.

1759  leitete er  zusammen mit einem Franzosen in Jouy en Josas eine Indienne-Fabrik, welche nach und nach von einer Manufaktur zu einer maschinell betriebenen Fabrik umgestellt wurde.

Er übernahm die Firma und ab da ging es für Oberkampf als industriellem Geschäftsmann steil bergauf.

Neben seinem regelmäßigen Austausch mit Experten aus England, der Schweiz und dem Elsass dürfte auch seine loyale Unternehmensführung zu seinem Erfolg beigetragen haben.

Die meisten seiner Lehrlinge wurden nach der Ausbildung übernommen, es gab Mitarbeiterwohnungen und wenn ein Mitarbeiter zu alt wurde, bekam er bis an sein Lebensende eine Alterszahlung. Dies war einzigartig zur damaligen Zeit. So hielt er auch während der französischen Revolution mit seiner Firma stand, nachdem er zuvor schon von König Ludwig XVI. in den Adelsstand aufgenommen  und die Firma zur königlichen Manufaktur ernannt wurde. Oberkampf, der dem Ort zum Wohlstand verhalf, wurde sogar Bürgermeister von Jouy en Josas. Durch einen eigenen Bauernhof in der Nähe des Werksgeländes hatte er uneingeschränkt Zugang zu frischem Wasser und konnte somit die Stoffe vor dem Druck mit sauberem Wasser reinigen. In Verbindung mit selbst produzierter Chlorbleiche hatten seine Grundstoffe ein sehr klares Weiß. Dies war damals alles andere als üblich.

Währen der napoleonischen Kriege konnte er eine ganze Weile dank einer eigenen Baumwollherstellung die Kontinentalsperre umgehen und hatte somit noch eine Weile eigenen Vorrat an Baumwolle. Wenn auch nicht mehr in der üblichen Qualität, die er sonst immer einhielt.

Aber die Spuren des Krieges gingen dennoch nicht an ihm vorüber. Viele seiner Lieferanten wurden insolvent und konnten nicht mehr zahlen. Die Rechnungen häuften sich und als dann auch noch eine Schiffsladung mit Baumwolle aus Brasilien verloren ging, kam auch Oberkampf in Schwierigkeiten.

Wenn er auch Napoléon noch von seiner Arbeit überzeugen konnte, dieser besuchte 1806 die Manufaktur, konnte er während der preußischen Besetzung die zweijährige Schließung 1814/15 nicht umgehen.

 

Die Wiedereröffnung bekam der am 06.10.1815 verstorbene Unternehmer nicht mehr mit.

Sein Sohn übernahm bis ins Jahre 1822 die Fabrik, welche 1848 gänzlich die Produktion einstellte.

 

Toile de Jouy in der Gegenwart

 

Wunderschön muss das Museum in Jouy en Josas sein, welches ich mir gewiss ansehen werde.

Wenn auch das Fabrikgelände nicht mehr in seiner Ursprünglichkeit existiert gibt es im Bezug auf  Geschichte einiges zu entdecken.

 

Sowohl in der Mode als auch im Interiorbereich ist er wieder mehr im Kommen. Absolut niedlich sehen diese Stoffe als Kleidung für Kinder aus.

 

Wir haben diese als Blusen, Kleider und auch Haaraccessoires.

 

 

In meinem Haushalt zieren die Pastorale und Drucke Tischdecken, Kissen und Stühle.

 

 

Ganz schön auch im herbstlichen oder winterlichen Garten in Verbindung mit edlen Wollstoffen oder einer Teezeit.

 

Besonders schön kommen die pastoralen Szenen auch hinter Bilderrahmen zur Geltung.

 

Wir werden mit der Zeit gewiss noch einiges an Toile de Jouy in unseren Alltag aufnehmen.

 

Aus diesem Stoff werde ich uns im Winter Kissen nähen. Er stammt aus Avignon, der Stadt meiner Urgroßmutter, und hat für mich somit auch eine besondere Bedeutung.

 

Wie Ihr seht, die Möglichkeiten sind vielfältig.

 

Eure Daniela

 

 

* Die Stoffe, Kleidungsstücke und sonstigen Dinge in diesem Artikel wurden alle von mir selbst erworben und bezahlt.