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Wie es sich anfühlt, von seinen jüdischen Wurzeln zu erfahren

Dieser Artikel gehört zu jenen, die mich bisher am meisten Mut gekostet haben. Aber nach jahrelanger Recherche der Wurzeln nach dem Vater meiner Mutter und der Erkenntnis eines lang verborgenen Teils ihrer Herkunft, möchte ich andere daran teilhaben lassen. In der Überzeugung, dass es da draußen noch viele Menschen gibt, die in Unwissenheit ihrer Herkunft leben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Überlebende, und jeder einzelne von ihnen hatte ein Trauma zu verarbeiten. Ein Trauma, das wir uns heute in dem Ausmaß nicht mehr vorstellen können. Zudem lag die ganze Zeit die Möglichkeit nahe, dass die Nazis eines Tages wieder an die Macht kommen. In dieser Situation wurden neue Identitäten angenommen. Aus jüdisch wurde z.B. evangelisch, Namen und die Vergangenheit wurden geändert.

In diese Situation wurde meine Mutter hineingeboren und es dauerte Jahrzehnte bis sich das Geheimnis offenbaren konnte.

Klärung der Ungewissheit

Anfangs wusste ich nur Eckdaten zur Herkunft meines Großvaters, der schon verstoreben war. Er war Franzose, kam nach dem Krieg in das französische Besatzungsgebiet an den Rhein, machte dort eine Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur, gründete sein eigenes Geschäft, begegnete meiner Großmutter, sie waren kurz ein Paar und beide bekamen meine Mutter.

An diesem Punkt ist meine Großmutter sehr verschwiegen. Sie erzählte mir nach und nach, dass er keine Vergangenheit hatte, seine Eltern gestorben sind und dass er sich viel im Hinterhof der ehemaligen Synagoge bei einem Bekannten aufhielt, der ihn ausgebildet hatte. Ein Hinweis, der für uns Jahre später einiges erklären sollte.

Jeden Stein umdrehen

Vor ungefähr vier Jahren fing ich an, zu recherchieren.

Anfangs in Kleinarbeit vor Ort. Telefonierte alle mit selben Nachnamen ab, kontaktierte den Nachfolger der Räumlichkeiten, erfuhr aber nur weniges.

Mithilfe von genealogischen Archiven forschte ich langsam weiter, hauptsächlich in Frankreich.

Da aber auch heute leider wieder Vorsicht, vor allem im Netz wichtig ist, fasse die ich Zeit danach kurz zusammen. Über das Bild einer Jüdin namens Esther, dem Besuch in Avignon, kam langsam Klarheit in diese Sache. Über ein Buch aus Frankreich erfuhr ich von einem überlebenden Verwandten. Eigentlich eher ein Zufall, denn er erschien nur am Rande, aber auf der Homepage dazu waren alle Deportierten gelistet. Dieser Spur folgte ich und bekam letztlich Kontakt zu einem jüdischen Verwandten in Frankreich. Wir tauschten uns über einen längeren Zeitraum intensiv  aus, stellten fest, dass zu ihr, Esther keine Blutsverwandtschaft besteht, aber alles andere Wissen, immer mehr in die eine Richtung und Gewissheit führte. Durch Kontakte, Urkunden, Daten, Gespräche, aber auch dem Reden Gottes konnten wir irgendwann mit Gewissheit sagen, dass der Vater meiner Mutter Jude war.

Plötzlich ergab alles einen Sinn. Seine Geheimnisse, seine Verschlossenheit, seine fehlende Vergangenheit, der Schmerz über den Tod seiner Eltern, über den er sich nie äußern wollte und vor allem, dass es ihn immer wieder an den Ort der ehemaligen Synagoge zog. Was ich allerdings nie verstehen werde ist, dass er in Deutschland blieb, denn ich muss gestehen, dass ich mehr denn je mit der Vergangenheit dieses Landes meine Probleme habe.

Der Antisemitismus

Dazu beigetragen hatte in diesen Jahren, dass ich viel über das Wirken der Nazis gelesen und gesehen hatte. Oft fragte ich mich, ob dies heute so noch möglich wäre und spätestens seit dem Krieg in der Ukraine bin ich mir sicher, keine Zeit ist vor solchen Taten und Hass geschützt.

Nur ist die Geschichte der Juden noch einmal eine andere als in diversen sonstigen Kriegen.
Auch beschäftigt mich der immer währende und neu aufflammende Antisemitismus sehr. Ja, wühlt mich richtig auf und macht mich fassungslos.
Meine Verbundenheit zu Israel und Gottes erwähltes Volk wächst Tag für Tag.
Doch stellt sich die Frage:
Wieso wird das Volk Israels seit Jahrtausenden so gehasst?

Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.

 

Die Juden sind Gottes geliebtes Volk. Er selbst nennt das Volk Israel seinen Augapfel und stellt damit gleichzeitig den Stellenwert seines auserwählten Volkes klar.

"Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an."
Sacharja 2,12

Der Augapfel ist eines der empfindlichsten Teile im menschlichen Körper und zeigt, wie ernst es Gott mit seiner Aussage ist.
Das israelische Volk ist ihm das Wichtigste.
Eigentlich könnte man sagen, aus der Sicht Gottes ist Israel der Mittelpunkt der Welt. Um Israel dreht sich aus jüdischer und auch christlicher Sicht alles. Jeder Weg Gottes führt auf die Wurzeln Abrahams zurück. Mit Gottes Versprechen an Abraham begann alles.


"Sieh gen Himmel und zähle die Sterne, kannst du sie zählen? So zahlreich sollen deine Nachkommen sein."

Dazu muss ich erwähnen, dass ich als gläubige Christin aufgrund des neuen Testaments nochmals ein anderes Verständnis dazu habe als der jüdischen Glaube selbst.
Aus dem jüdischen Geschlecht, wurde Jesus Christus geboren, trug für uns unsere Schuld am Kreuz und überwand durch die Auferstehung den Tod. Wer dies glaubt, lebt ewig bei Gott.

Das ist der biblische Grund, warum das Judentum so sehr verfolgt wird und der Antisemitismus immer wieder neu in Erscheinung tritt.

Die Juden warten warten laut Tora noch auf den Messias. Dennoch verbindet beide die Tatsache. Der Feind Gottes möchte sein geliebtes Volk von Grund auf vernichten. 

 

 

Dient dem Herrn in fernen Lande und habt Jerusalem in Eurem Herzen

Für mich hat diese Erkenntnis einiges, wenn nicht gar alles verändert. Mit dem Wissen um meine Herkunft und dem Verständnis, warum das Volk Israel seit jeher bekämpft wird, werde ich mich von nun an stark machen und klar zu Israel stehen. Mich einsetzten, wo es mir möglich ist und mich dem Antisemitismus klar entgegenstellen.

Wie eine Perlenkette, die nach und nach durch neues Wissen aufgereiht wurde, um ein Ganzes zu ergeben

Diese Aussage einer lieben Freundin brachte es auf den Punkt.

"Spürt man seine Wurzeln, wenn sie zum Volk Gottes gehören, Daniela?"

Im Nachhinein kann ich nur sagen

"Ja, es ist wie bei einer Kerze, die erst wie eine zarte Flamme im Dunkeln schien. Doch je mehr Sauerstoff durch Wissen und Erkenntnis an den brennenden Doch kommt, umso mehr strahlt sie in einem und es wächst eine Gewissheit und Stärke, die klar dazu steht."

In diesem Sinne
Shalom Israel

An dieser Stelle möchte ich einem lieben Freund, Thomas Martin danke sagen. Er war bis 2020 Pastor der FBG Mannheim und  hat mir geholfen, diesen Artikel zu verfassen. Mit seinem immensen Wissen über Israel konnte er mir viele Fragen beantworten.

( Reise nach Israel Daniela ;-) Werde ich Thomas, ich plane schon.)

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Kommentare: 1
  • #1

    Damaris (Montag, 21 Dezember 2020 22:09)

    Liebe Daniela,

    vor kurzem bin ich auf deinen Blog gestoßen. Einmal, weil auch ich diesen Lebensstil ganz irdisch pflege und Frankreich sehr liebe, aber vor allem hat es mich zutiefst gefreut, in dir eine Schwester im Glauben an unseren Herrn und Heiland Jesus Christus gefunden zu haben. Seitdem schaue ich noch lieber vorbei.
    Ich möchte dich hiermit ermutigen, weiter so zu schreiben wie du es tust! Es war vielleicht nie nötiger als aktuell! Möge ER dich und vor allem das Geschriebene segnen!
    ER kommt bald!!
    Liebe Grüße aus dem Ruhrgebiet