Das Altenheim der ICEJ in Haifa - Eine neue Heimat für Holocaustüberlebende und ein Weg aus der Ukraine

Anfang des Jahres stellte ich mir die Frage

Wo möchte Gott mich und meine Fähigkeiten in Zukunft einsetzen?

Der Stillstand der Pandemie löste sich langsam auf und lies einen Blick auf Zukünftiges zu. 

Zu dieser Zeit hätte ich es noch nicht in Betracht gezogen, dass dieser Ort Israel sein wird.

Aufgrund des Aufarbeitens unserer Familiengeschichte wirkten das Gelesene und Gehörte über die NS-Zeit noch intensiv in mir nach. Deportationslisten und Bilder, aber auch der Austausch mit den Nachkommen Holocaustüberlebender waren ein Teil von mir geworden. Das brennt sich ein und führt zwangsläufig in ein Auseinandersetzen mit der Frage.

"Wer bin ich, nach all diesen Erkenntnissen und was möchte Gott, dass ich daraus mache?"

In mir brannte ganz zart ein neues Licht, das mich zu dieser Zeit allerdings noch sehr forderte und erst begriffen werden musste.

Durch Gottes Möglichkeiten eine Antwort auf das vielzitierte "Niemals wieder" finden

Bisher konnte ich mich aber immer darauf verlassen, dass wenn ich mich Gott anvertraue, mit ihm spreche und noch mehr, er mit mir spricht, sein Reden und seine Antwort kommen und wahrhaftig sind. Dass sich neue Möglichkeiten eröffnen und er den Weg besser kennt als wir. Nach Monaten mancher Auf und Ab, denn die Erkenntnisse um die eigenen Wurzeln lassen einen manchmal die eigene Identität hinterfragen, bin ich bei der Antwort angekommen, und diese führte mich zur INTERNATIONALEN CHRISTLICHEN BOTSCHAFT IN JERUSALEM.

Der Krieg in der Ukraine löste bei mir eine weitere Frage aus.

Was wurde aus dem gerne und viel zitierten

Niemals wieder?

Lernen wir Menschen nicht dazu?  Ja, und wie können wir wirklich helfen, Veränderung schaffen und tatkräftig helfen.

Gott schafft Veränderung und schenkt Klarheit

Diesen Sommer dann bekam ich aufgrund einer Sache, die mir Gott offenbart hat und von der ich klar wusste, dass sie wahrhaftig ist, dennoch meine Zweifel.

Ist es möglich, dass Gott wirklich mit uns Menschen spricht oder folge ich doch nur meinen eigenen Gedanken?

Auf dem Sommerfestival der ICEJ sprach Dr. Jürgen Bühler in einer Predigt über Habakuk, der von Gott selbst Dinge offenbart  bekam und dadurch ins Zweifeln geriet, dafür Gott in seiner Schwachheit umso mehr begegnete. Bühler sprach uns Mut zu, auf Gottes Reden zu vertrauen und zu dem uns Offenbarten zu stehen. Egal, wie die Umstände aussehen mögen.

Worte, die meinen Glauben schlagartig wieder festigten und mir gleichzeitig zeigten, dass ich hier am richtigen Ort angekommen bin.

Es folgte ein weiteres Treffen mit Gottesdienst und wertvollen Gesprächen.

Aus Zweifel und Müdigkeit wurden Zuversicht, Freude und Stärke.

Mein Herz schlägt nun für diese Arbeit, die ich nun von Herzen gerne unterstützen werde.

Das Altenheim für Holocaustüberlebende in Haifa

Das Altenheim für Holocaustüberlebende in Haifa wurde gegründet, um diesen Menschen, die in Israel oft unter der Armutsgrenze leben, eine Heimat zu schenken und ihnen ein einen friedvollen Lebensabend zu ermöglichen. Dies begann mit Schimon Shabag, der es sich aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte  zur Aufgabe machte, mit seiner selbst gegründeten Organisation

Jad Ezer L´Chaver ("Helfende Hände") zu helfen. In seiner Suppenküche sorgte er sich um das Wohl dieser Menschen, wurde aber geschockt durch das, was er sah und hörte.

 

Bedürftige zogen Nummern und standen an, gleichzeitig witzelten sie darüber, dass sie schon Nummern hätten und keine weiteren bräuchten. 

Es waren jene eintätowierten Nummern aus Auschwitz, Buchenwald, Treblinka und anderen Konzentrationslagern.

Er begann für ihre Rechte zu kämpfen, kam aber aufgrund seiner eigenen Gesundheit an seine Grenzen. Er wollte seine Energie nicht im Kampf gegen die Bürokratie verschwenden und eröffnete stattdessen ein kleines Heim für zunächst 13/14 Überlebende in Haifa. Doch sein Traum war zu groß für eine Einzelperson und somit wandte er sich im Dezember 2009 an die ICEJ. Gemeinsam folgten sie seinem Vorschlag, das Erdgeschoss eines Nachbargebäudes zu kaufen und eine große Suppenküche einzurichten.

Die Botschaft stellte das benötigte Geld zur Verfügung, und schlug gleichzeitig vor, das ganze vierstöckige Nachbargebäude zu kaufen um noch mehr Überlebenden ein Heim zu schenken. 

Das Vertrauen in Gottes Unterstützung von Schimon Shabag hat sich gelohnt, denn heute bietet dieses Heim rund 70 Überlebenden ein Zuhause und eine davon darf ich nun genauer vorstellen.

Im Zweiten Weltkrieg aus Russland vor den Nazis geflohen und heute vor Russland aus der Ukraine

S.* wurde 1937 in Leningrad/St. Petersburg, Russland geboren.

Als die Nazis die Sowjetunion überfielen, war sie noch ein kleines Mädchen.

Die Belagerung der Stadt durch die Nazis und finnische Soldaten begann am 08. September 1941 und dauerte knapp 900 Tage. Während der Belagerung starben fast eine Million Zivilisten und russische Verteidiger, die meisten durch Mangelernährung.

Der Hunger nahm schreckliche Ausmaße an, denn jede Person bekam lediglich 125 Gramm Brot am Tag als Ration. Da mit zunehmender Länge der Blockade den Einwohnern die Produkte ausgingen, streckte man das Brot mit Hydratzellulose, welches als Mehl verwendet wurde. Also chemisch behandeltes Holz.

Tischlerleim wurde wie Marmelade gekocht und man sammelte Mehlstaub von den Wänden und Böden der Vorratskammern. Da auf den Straßen und im Schnee überall Leichen lagen, sorgte sich ihre Mutter sehr, denn mit dem Frühlingsbeginn würden diese Leichen verwesen und somit Seuchen ausbrechen.

Trotz Schwächung durch Hunger und Kälte, entschied ihre Mutter sich, mit ihr die Stadt über einen gefrorenen See zu verlassen. Man nannte diesen Weg "Die Straße des Lebens",  obwohl er aufgrund der Bomben gefährlich war.

Sie schafften es  in ein Flüchtlingslager in Kazachstan, ihr Vater wurde jedoch beim Entschärfen einer Bombe während seiner Arbeit in der Heimat getötet.

 

Nach dem Krieg - Die Ukraine als neue Heimat

Da ihre Wohnung in Leningrad nach dem Krieg mittlerweile besetzt war, entschied sich ihre Mutter 1948, nach Charkiw zu den Eltern ihres Vaters zu ziehen.

S. lebte seit dieser Zeit in der Ukraine, arbeitete als Planerin für Wassersysteme, aber auch in Theatern, wo sie für Vorstellungen und Kostüme zuständig war.

Sie führte ein ganz normales Leben, wie wir es kennen, heiratete und bekam eine Tochter, verlor 2010 allerdings ihren Ehemann und 2012 auch ihre Tochter durch den Tod, was für sie bis heute großen Kummer bedeutet. 

Als dann im Februar der Angriff der Russen kam, und die ständige Bombardierung zum Alltag wurde, musste sie wieder aus ihrer Heimat fliehen. Diesmal vor Russland, dem Land indem sie geboren wurde. Das ist für sie sehr schlimm. Ist sie doch mit beiden Ländern verbunden. Wie so viele.

Da S. aber außer einer entfernten Verwandten in den USA keine Angehörigen mehr hat, gestaltete sich dies als schwierig, und ohne Hilfe eigentlich unmöglich. Diese ferne Verwandte nahm Kontakt zu einer Partnerorganisation der Botschaft auf und dadurch konnte ihr Leben gerettet werden. Dafür ist S. sehr dankbar.

 

Erneute Flucht aus der Ukraine

Bei einem Onlinegebetstreffen bekam ich  einen Einblick in die Flucht von ihr und anderen Holocaustüberlebenden. Mithilfe der Jewish Agency wurden zehn Männer und Frauen aus der Ukraine ausgeflogen und in Israel empfangen. Auch wenn die Wunden  und Traumata der Vergangenheit gewiss niemals (ganz) heilen, haben diese Menschen nun eine neue Heimat in Haifa. In Form von betreutem Wohnen bekommen sie ein Zuhause in Liebe und hoffentlich noch einige friedvolle und schöne Jahre.

Ja, und wir dürfen ein Teil davon sein. Im persönlichen Kontakt nach Haifa Liebe und Freude schenken. Sei es durch Briefe, gemalte Bilder unsrer Kinder oder noch in diesem Jahr einem persönlichen Besuch vor Ort.

S. ist nun nicht mehr alleine auf dieser Welt, und das macht auch persönlich Mut und stimmt zuversichtlich.

 

Mich lehrte es, alleine können wir in dieser Welt nicht viel bewirken. Aber mit Gott und Menschen mit denselben Zielen an der Seite, kann der Glaube und eine Vision von Möglichkeiten umgesetzt werden und sogar Berge versetzen.

 

Gleichzeitig bestätigt es Gottes Reden in seinem Wort, seine Zusage an sein geliebtes Volk den Juden.

Siehe, ich will sie sammeln aus allen Landen...  und will sie wiederum an diesen Ort bringen, daß sie sollen sicher wohnen.

Jeremia 32,37 

Möglichkeiten einer Patenschaft und Unterstützung allgemein

Diese Arbeit zeigt, dass wir durch die Unterstützung des Haifa- Heims auch heute noch etwas für die NS-Opfer tun können und mehr noch, für die erneuten Opfer in der Ukraine. 

Nach wie vor sind viele Menschen jüdischer Abstammung im Kriegsgebiet, verstecken sich und/ oder kämpfen um das Überleben. 

Wenigstens einen Teil von ihnen nach Israel zu holen, ist eine klare Antwort auf ein  "Niemals wieder".  Jedoch nicht aus einem Schuldgefühl heraus, wie die Botschaft betont, sondern motiviert durch Liebe und Verantwortung für Menschen, die bis heute unter den Schrecken leiden, die unsere Vorfahren über sie gebracht haben.

 

Über die Seite Projekt-Patenschaft besteht die Möglichkeit, diese Arbeit in Form einer Spende oder Übernahme einer Patenschaft zu unterstützen.

Einen Einblick in das Heim zeigt folgendes Video . Es veranschaulicht mit wieviel Liebe in Haifa gearbeitet wird.

 

Shalom Daniela Dorrhauer

 

 


Dieser Artikel ist in Absprache mit dem Team der ICEJ Deutschland entstanden.

*Der Name wird von mir aus Datenschutzgründen nicht genannt.

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Kommentare: 2
  • #2

    Pfalz Perle (Freitag, 08 Oktober 2021 11:54)

    Liebe Daniela,
    wie wunderschön dein Blog jetzt in neuem Design erstrahlt! Ich freue mich, dass du so umfangreich und auch mit so tollen, liebevoll ausgewählten Bildern über den Grandmillennial Stil schreibst. Ich lasse dir die besten Wünsche hier und eine herzliche Umärmelung. S.

  • #1

    Damaris (Montag, 21 Dezember 2020 22:09)

    Liebe Daniela,

    vor kurzem bin ich auf deinen Blog gestoßen. Einmal, weil auch ich diesen Lebensstil ganz irdisch pflege und Frankreich sehr liebe, aber vor allem hat es mich zutiefst gefreut, in dir eine Schwester im Glauben an unseren Herrn und Heiland Jesus Christus gefunden zu haben. Seitdem schaue ich noch lieber vorbei.
    Ich möchte dich hiermit ermutigen, weiter so zu schreiben wie du es tust! Es war vielleicht nie nötiger als aktuell! Möge ER dich und vor allem das Geschriebene segnen!
    ER kommt bald!!
    Liebe Grüße aus dem Ruhrgebiet